WEBVTT

1
00:00:04.500 --> 00:00:08.492
<v Tom>Meine Bank will neuerdings eine Liquiditätsplanung sehen.

2
00:00:08.492 --> 00:00:11.993
<v Tom>Ich habe nur die BWA und den Kontostand von heute.

3
00:00:12.243 --> 00:00:15.349
<v Ines>Damit sehen Sie, was war, aber nicht, was kommt.

4
00:00:15.349 --> 00:00:22.271
<v Ines>Heute bauen wir einen Plan über dreizehn Wochen, den Sie jeden Montag in einer halben Stunde fortschreiben.

5
00:00:22.521 --> 00:00:24.437
<v Tom>Warum ausgerechnet dreizehn Wochen?

6
00:00:24.687 --> 00:00:26.577
<v Ines>Dreizehn Wochen sind ein Quartal.

7
00:00:26.577 --> 00:00:32.531
<v Ines>Kurz genug, dass Sie die Zahlungen wirklich kennen, und lang genug, um auf eine Lücke noch zu reagieren.

8
00:00:32.781 --> 00:00:37.744
<v Ines>In Sanierungen ist dieser Wochenplan das gängige Werkzeug für die kurze Sicht.

9
00:00:37.744 --> 00:00:42.961
<v Ines>Er rechnet direkt mit Einzahlungen und Auszahlungen, nicht mit Erlösen und Kosten.

10
00:00:43.211 --> 00:00:45.043
<v Tom>Ich bin aber nicht in der Sanierung.

11
00:00:45.043 --> 00:00:46.774
<v Tom>Muss ich so etwas überhaupt haben?

12
00:00:47.024 --> 00:00:49.896
<v Ines>Ein festes Format schreibt Ihnen niemand vor.

13
00:00:49.896 --> 00:01:02.851
<v Ines>Aber Paragraf eins des Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetzes verlangt von Geschäftsleitern einer GmbH, fortlaufend über Entwicklungen zu wachen, die den Fortbestand gefährden können.

14
00:01:03.101 --> 00:01:05.907
<v Ines>Und die größte Gefahr ist fehlendes Geld.

15
00:01:05.907 --> 00:01:12.888
<v Ines>Zahlungsunfähig ist nach Paragraf siebzehn Insolvenzordnung, wer fällige Zahlungen nicht leisten kann.

16
00:01:13.138 --> 00:01:18.061
<v Tom>Wo ist die Grenze zwischen einem engen Monat und echter Zahlungsunfähigkeit?

17
00:01:18.311 --> 00:01:22.554
<v Ines>Der Bundesgerichtshof hat zweitausendfünf eine Faustregel gesetzt.

18
00:01:22.554 --> 00:01:29.753
<v Ines>Fehlen zehn Prozent oder mehr der fälligen Verbindlichkeiten, ist regelmäßig von Zahlungsunfähigkeit auszugehen.

19
00:01:30.003 --> 00:01:34.429
<v Ines>Das gilt für eine Lücke, die sich nicht binnen drei Wochen schließen lässt.

20
00:01:34.429 --> 00:01:37.498
<v Ines>Kürzere Engpässe nennt das Gericht Zahlungsstockung.

21
00:01:37.748 --> 00:01:39.356
<v Tom>Drei Wochen sind sehr kurz.

22
00:01:39.606 --> 00:01:45.553
<v Ines>Wer eine Lücke erst am Kontoauszug sieht, hat von diesen drei Wochen oft schon Tage verloren.

23
00:01:45.553 --> 00:01:49.070
<v Ines>Der Plan zeigt sie Ihnen bis zu dreizehn Wochen vorher.

24
00:01:49.320 --> 00:01:50.955
<v Tom>Und mit welchen Zahlen rechnen wir?

25
00:01:51.205 --> 00:01:59.279
<v Ines>Wieder mit Ihrem Beispielbetrieb: Handwerk, vierzig Leute, dreihundertdreißigtausend Euro Gesamtleistung im Monat.

26
00:01:59.279 --> 00:02:01.899
<v Ines>Alle Beträge sind ein Rechenbeispiel.

27
00:02:02.149 --> 00:02:09.209
<v Ines>Dazu nehmen wir sechzigtausend Euro Guthaben auf dem Konto und hunderttausend Euro Kreditrahmen bei der Bank.

28
00:02:09.209 --> 00:02:11.282
<v Ines>Jetzt die drei typischen Fehler.

29
00:02:11.882 --> 00:02:17.105
<v Tom>Ich hätte einfach die BWA genommen und für die nächsten drei Monate fortgeschrieben.

30
00:02:17.105 --> 00:02:18.410
<v Tom>Was ist daran falsch?

31
00:02:18.660 --> 00:02:19.455
<v Ines>Drei Dinge.

32
00:02:19.455 --> 00:02:26.539
<v Ines>Die BWA rechnet netto, sie bucht nach Leistung statt nach Zahlung, und sie kennt nur ganze Monate.

33
00:02:26.789 --> 00:02:28.411
<v Tom>Fangen wir mit netto an.

34
00:02:28.411 --> 00:02:30.169
<v Tom>Warum ist das ein Problem?

35
00:02:30.419 --> 00:02:33.908
<v Ines>Ihre Kunden überweisen brutto, also mit Umsatzsteuer.

36
00:02:33.908 --> 00:02:41.874
<v Ines>Die Industrie- und Handelskammern raten deshalb, alle Beträge im Liquiditätsplan einschließlich Umsatzsteuer einzutragen.

37
00:02:42.124 --> 00:02:47.613
<v Ines>Die Steuer selbst steht dann als eigene Auszahlung am zehnten des Folgemonats im Plan.

38
00:02:47.613 --> 00:02:53.548
<v Ines>Im Beispiel rund siebenunddreißigtausend Euro, mit Dauerfristverlängerung einen Monat später.

39
00:02:53.798 --> 00:02:57.366
<v Tom>Und nach Zahlung statt nach Leistung heißt was?

40
00:02:57.616 --> 00:03:05.931
<v Ines>Die Kammer schreibt es klar: Der Plan ist keine Umsatzprognose, sondern eine Prognose der Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge.

41
00:03:06.181 --> 00:03:12.663
<v Ines>Eine Rechnung vom ersten Oktober gehört bei fünfundvierzig Tagen Zahlungsziel in die Woche Mitte November.

42
00:03:12.663 --> 00:03:13.947
<v Ines>Nicht in den Oktober.

43
00:03:14.197 --> 00:03:15.207
<v Tom>Aber warum Wochen?

44
00:03:15.207 --> 00:03:17.115
<v Tom>Mein Monat geht doch meistens auf.

45
00:03:17.365 --> 00:03:18.954
<v Ines>Rechnen wir Ihren Monat.

46
00:03:18.954 --> 00:03:27.830
<v Ines>Rein kommen rund dreihundertsiebzigtausend Euro brutto, raus gehen etwa dreihundertvierundsechzigtausend, also sechstausend Euro Plus.

47
00:03:28.080 --> 00:03:29.102
<v Tom>Klingt doch beruhigend.

48
00:03:29.352 --> 00:03:31.639
<v Ines>Jetzt dieselben Zahlen nach Wochen.

49
00:03:31.639 --> 00:03:39.282
<v Ines>Pro Woche kommen gut fünfundachtzigtausend Euro rein, aber die großen Zahlungen ballen sich an zwei Stellen im Monat.

50
00:03:39.532 --> 00:03:46.632
<v Ines>Am zehnten gehen Umsatzsteuer und Lohnsteuer ans Finanzamt, im Beispiel zusammen gut fünfzigtausend Euro.

51
00:03:46.632 --> 00:03:48.931
<v Ines>Beide Termine stehen so im Gesetz.

52
00:03:49.181 --> 00:03:50.115
<v Tom>Und die zweite Stelle?

53
00:03:50.365 --> 00:03:51.401
<v Ines>Das Monatsende.

54
00:03:51.401 --> 00:03:59.269
<v Ines>Die Sozialversicherungsbeiträge sind am drittletzten Bankarbeitstag fällig, kurz danach gehen die Nettolöhne raus.

55
00:03:59.519 --> 00:04:04.579
<v Ines>Mit Lieferanten sind das in der letzten Woche rund hundertachtzigtausend Euro.

56
00:04:04.579 --> 00:04:08.536
<v Ines>Dem stehen fünfundachtzigtausend Euro Einzahlungen gegenüber.

57
00:04:08.786 --> 00:04:12.320
<v Tom>Also fast hunderttausend Euro minus in einer einzigen Woche?

58
00:04:12.570 --> 00:04:12.979
<v Ines>Genau.

59
00:04:12.979 --> 00:04:22.932
<v Ines>Gehen Sie mit sechzigtausend Euro Guthaben in diese Woche, stehen Sie danach mit fünfunddreißigtausend Euro im Soll, obwohl der Monat im Plus ist.

60
00:04:23.182 --> 00:04:25.385
<v Ines>Der Kreditrahmen fängt das noch auf.

61
00:04:25.385 --> 00:04:30.586
<v Ines>Aber nur der Wochenplan zeigt Ihnen, wie viel davon in dieser Woche schon belegt ist.

62
00:04:30.836 --> 00:04:32.353
<v Tom>Was gehört dann alles in die Zeilen?

63
00:04:32.603 --> 00:04:37.319
<v Ines>Oben der echte Kontostand vom Montag, nicht der Saldo aus der Buchhaltung.

64
00:04:37.319 --> 00:04:42.035
<v Ines>Darunter die Einzahlungen aus offenen Rechnungen und geplanten Abschlägen.

65
00:04:42.285 --> 00:04:52.148
<v Ines>Dann die Auszahlungen: Löhne, Sozialversicherung, Steuern, Lieferanten, Miete, Darlehensraten, Investitionen und Privatentnahmen.

66
00:04:52.148 --> 00:04:57.423
<v Ines>Die Kammern nennen Entnahmen, Tilgung und Investitionen ausdrücklich.

67
00:04:57.673 --> 00:05:00.612
<v Ines>Ganz unten der Kreditrahmen als eigene Zeile.

68
00:05:00.612 --> 00:05:04.857
<v Ines>So sehen Sie in jeder Woche, wie viel Luft bis zur Grenze bleibt.

69
00:05:05.107 --> 00:05:06.133
<v Tom>Und die Gewerbesteuer?

70
00:05:06.383 --> 00:05:12.059
<v Ines>Die Vorauszahlungen sind am fünfzehnten Februar, Mai, August und November fällig.

71
00:05:12.059 --> 00:05:17.245
<v Ines>Fällt einer dieser Tage in Ihre dreizehn Wochen, steht er dort mit Betrag.

72
00:05:17.495 --> 00:05:19.831
<v Tom>Und Einmalzahlungen wie das Weihnachtsgeld?

73
00:05:20.081 --> 00:05:21.612
<v Ines>Gehören genauso hinein.

74
00:05:21.612 --> 00:05:29.465
<v Ines>Im Beispiel gehen im November zusätzlich sechzigtausend Euro raus, die in der BWA über das ganze Jahr verteilt stehen.

75
00:05:30.065 --> 00:05:33.650
<v Tom>Einen Plan haben wir vor zwei Jahren für den Bankkredit gemacht.

76
00:05:33.650 --> 00:05:35.498
<v Tom>Seitdem liegt er in einem Ordner.

77
00:05:35.748 --> 00:05:38.082
<v Ines>Das ist der zweithäufigste Fehler.

78
00:05:38.082 --> 00:05:44.670
<v Ines>Ein Liquiditätsplan veraltet jede Woche, weil Kunden später zahlen und neue Ausgaben dazukommen.

79
00:05:44.920 --> 00:05:47.071
<v Tom>Wie viel Zeit kostet mich die Pflege denn wirklich?

80
00:05:47.321 --> 00:05:50.924
<v Ines>Für den ersten Aufbau planen Sie einen Nachmittag ein.

81
00:05:50.924 --> 00:05:55.461
<v Ines>Danach dreißig Minuten jeden Montag, immer in derselben Reihenfolge.

82
00:05:55.711 --> 00:05:57.195
<v Tom>Was brauche ich für den Aufbau?

83
00:05:57.445 --> 00:06:06.775
<v Ines>Drei Listen aus der Buchhaltung: offene Kundenrechnungen, offene Lieferantenrechnungen und alle Daueraufträge und Lastschriften vom Konto.

84
00:06:06.775 --> 00:06:09.885
<v Ines>Dazu die Steuertermine und die Darlehensraten.

85
00:06:10.135 --> 00:06:11.997
<v Tom>Brauche ich dafür eine eigene Software?

86
00:06:12.247 --> 00:06:15.900
<v Ines>Für den Anfang reicht eine Tabelle mit dreizehn Spalten.

87
00:06:15.900 --> 00:06:19.683
<v Ines>Wichtiger als das Werkzeug ist der feste Termin am Montag.

88
00:06:19.933 --> 00:06:21.949
<v Tom>Und was passiert in diesen dreißig Minuten?

89
00:06:22.199 --> 00:06:25.194
<v Ines>Erstens tragen Sie den echten Kontostand ein.

90
00:06:25.194 --> 00:06:31.249
<v Ines>Zweitens vergleichen Sie die vergangene Woche: Was war geplant, was ist wirklich geflossen?

91
00:06:31.499 --> 00:06:36.341
<v Ines>Drittens schreiben Sie bei jeder größeren Abweichung einen Satz dazu, warum.

92
00:06:36.341 --> 00:06:40.736
<v Ines>Viertens streichen Sie die alte Woche und hängen hinten eine neue an.

93
00:06:40.986 --> 00:06:43.786
<v Tom>Hinten eine neue Woche, damit es immer dreizehn bleiben?

94
00:06:44.036 --> 00:06:45.905
<v Ines>Genau, das heißt rollierend.

95
00:06:45.905 --> 00:06:50.309
<v Ines>Der Blick reicht so immer ein Quartal nach vorn, auch im Dezember.

96
00:06:50.559 --> 00:06:52.451
<v Tom>Wer im Betrieb soll das machen?

97
00:06:52.451 --> 00:06:54.037
<v Tom>Ich habe dafür keine Zeit.

98
00:06:54.287 --> 00:06:59.921
<v Ines>Die Buchhaltung bereitet vor: Kontostand, Liste der offenen Posten, neue Bestellungen.

99
00:06:59.921 --> 00:07:04.966
<v Ines>Sie selbst brauchen zehn Minuten für die Abweichungen und die Entscheidungen.

100
00:07:05.216 --> 00:07:08.379
<v Tom>Woher weiß die Buchhaltung, wann ein Kunde wirklich zahlt?

101
00:07:08.629 --> 00:07:12.038
<v Ines>Aus seinem Verhalten, nicht aus dem Fälligkeitsdatum.

102
00:07:12.038 --> 00:07:18.020
<v Ines>Wenn ein Kunde seit einem Jahr nach fünfzig Tagen zahlt, gehört seine Rechnung in Woche acht.

103
00:07:18.270 --> 00:07:24.226
<v Ines>Firmenkunden sind spätestens dreißig Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung im Verzug.

104
00:07:24.226 --> 00:07:29.275
<v Ines>Wer regelmäßig später zahlt, bekommt eine Mahnung und im Plan das echte Datum.

105
00:07:29.525 --> 00:07:30.994
<v Tom>Und wie genau muss das sein?

106
00:07:30.994 --> 00:07:33.828
<v Tom>Ich kann nicht jede Rechnung über hundert Euro planen.

107
00:07:34.078 --> 00:07:35.480
<v Ines>Müssen Sie auch nicht.

108
00:07:35.480 --> 00:07:43.131
<v Ines>Die großen Posten einzeln, alles Kleine als Pauschale je Woche, im Beispiel zehntausend Euro für Material und Kleinkram.

109
00:07:43.381 --> 00:07:47.065
<v Ines>Die Pauschale prüfen Sie einmal im Monat gegen das Konto.

110
00:07:47.065 --> 00:07:49.457
<v Ines>Liegt sie daneben, passen Sie sie an.

111
00:07:49.707 --> 00:07:51.552
<v Tom>Was ist eine größere Abweichung?

112
00:07:51.552 --> 00:07:53.281
<v Tom>Ab wann muss ich mich kümmern?

113
00:07:53.531 --> 00:07:58.362
<v Ines>Legen Sie eine feste Schwelle fest, im Beispiel zehntausend Euro je Woche.

114
00:07:58.362 --> 00:08:02.474
<v Ines>Darunter genügt ein Blick, darüber wollen Sie den Grund wissen.

115
00:08:02.724 --> 00:08:05.880
<v Tom>Und wenn sich die Abweichungen nur in eine Richtung häufen?

116
00:08:06.130 --> 00:08:08.104
<v Ines>Dann ist Ihr Plan zu optimistisch.

117
00:08:08.104 --> 00:08:15.012
<v Ines>Meist zahlen Kunden im Schnitt später, als die Buchhaltung annimmt, und genau das korrigieren Sie dann für alle Wochen.

118
00:08:15.612 --> 00:08:18.951
<v Tom>Unser Plan zeigt nie ein Minus unter dem Kreditrahmen.

119
00:08:18.951 --> 00:08:20.807
<v Tom>Dann ist doch alles gut, oder?

120
00:08:21.057 --> 00:08:23.218
<v Ines>Nur wenn alles läuft wie geplant.

121
00:08:23.218 --> 00:08:30.029
<v Ines>Der dritte Fehler ist, nur den Normalfall zu rechnen und die Linie bis auf den letzten Euro auszureizen.

122
00:08:30.279 --> 00:08:31.776
<v Tom>Was soll ich denn stattdessen planen?

123
00:08:32.026 --> 00:08:35.694
<v Ines>Erstens eine Untergrenze, unter die Sie nie fallen wollen.

124
00:08:35.694 --> 00:08:39.805
<v Ines>Im Beispiel fünfzigtausend Euro Luft im Kreditrahmen, nicht null.

125
00:08:40.055 --> 00:08:41.386
<v Tom>Warum fünfzigtausend?

126
00:08:41.386 --> 00:08:43.479
<v Tom>Das Geld liegt dann ja nur herum.

127
00:08:43.729 --> 00:08:49.099
<v Ines>Es ist Ihre Reserve für Überraschungen, etwa eine Reparatur oder eine Nachzahlung.

128
00:08:49.099 --> 00:08:54.666
<v Ines>Die genaue Höhe legen Sie selbst fest, wichtig ist, dass sie als Linie im Plan steht.

129
00:08:54.916 --> 00:08:56.981
<v Tom>Und wie sieht das in meinem Normalfall aus?

130
00:08:57.231 --> 00:09:01.843
<v Ines>In der Monatsendwoche stehen Sie bei fünfunddreißigtausend Euro im Soll.

131
00:09:01.843 --> 00:09:06.841
<v Ines>Bis zur Grenze bleiben fünfundsechzigtausend, also knapp über der Untergrenze.

132
00:09:07.091 --> 00:09:07.911
<v Tom>Und zweitens?

133
00:09:08.161 --> 00:09:10.046
<v Ines>Zweitens ein schlechter Fall.

134
00:09:10.046 --> 00:09:15.572
<v Ines>Nehmen Sie Ihren größten Kunden und lassen Sie ihn im Plan drei Wochen später zahlen.

135
00:09:15.822 --> 00:09:20.016
<v Tom>Bei uns wäre das eine Abschlagsrechnung über hundertzwanzigtausend Euro.

136
00:09:20.266 --> 00:09:27.331
<v Ines>Dann rutschen Sie in der Monatsendwoche von fünfunddreißigtausend auf hundertfünfundfünfzigtausend Euro im Soll.

137
00:09:27.331 --> 00:09:31.116
<v Ines>Das sind fünfundfünfzigtausend Euro über Ihrem Kreditrahmen.

138
00:09:31.366 --> 00:09:33.871
<v Tom>Und was mache ich, wenn ich das im Plan sehe?

139
00:09:34.121 --> 00:09:35.834
<v Ines>Sie haben noch Wochen Zeit.

140
00:09:35.834 --> 00:09:42.114
<v Ines>Fragen Sie zuerst beim Kunden nach dem Stand der Freigabe und stellen Sie fällige Abschläge sofort.

141
00:09:42.364 --> 00:09:45.892
<v Ines>Dann prüfen Sie, welche Ausgaben sich verschieben lassen.

142
00:09:45.892 --> 00:09:50.658
<v Ines>Eine Investition oder eine Entnahme ist leichter zu verschieben als ein Lohn.

143
00:09:50.908 --> 00:09:51.795
<v Tom>Und die Bank?

144
00:09:51.795 --> 00:09:53.978
<v Tom>Die will ich nur ungern anrufen.

145
00:09:54.228 --> 00:09:56.318
<v Ines>Gerade jetzt sollten Sie anrufen.

146
00:09:56.318 --> 00:10:02.965
<v Ines>Mit dem Plan zeigen Sie Ihrer Bank, wann die Lücke entsteht, wie groß sie ist und wann sie wieder zu ist.

147
00:10:03.215 --> 00:10:10.665
<v Ines>Die Industrie- und Handelskammer Hannover warnt: Eine nicht abgesprochene Überziehung kann den Kreditrahmen kosten.

148
00:10:10.665 --> 00:10:14.098
<v Ines>Abgesprochen und belegt ist es ein normales Gespräch.

149
00:10:14.348 --> 00:10:16.565
<v Tom>Und wenn sich die Lücke nicht schließen lässt?

150
00:10:16.815 --> 00:10:20.098
<v Ines>Dann reden Sie sofort mit Kanzlei und Anwalt.

151
00:10:20.098 --> 00:10:26.445
<v Ines>Bei einer GmbH läuft ab Zahlungsunfähigkeit die Antragsfrist von höchstens drei Wochen.

152
00:10:26.695 --> 00:10:29.949
<v Tom>Reicht mir dieser Wochenplan dann für die Bank und fürs Gesetz?

153
00:10:30.199 --> 00:10:31.842
<v Ines>Für die nächsten Wochen ja.

154
00:10:31.842 --> 00:10:37.989
<v Ines>Für die drohende Zahlungsunfähigkeit rechnet das Gesetz aber in der Regel mit vierundzwanzig Monaten.

155
00:10:38.239 --> 00:10:44.292
<v Ines>Deshalb gehört neben den Wochenplan eine grobe Planung nach Monaten für die nächsten zwei Jahre.

156
00:10:44.292 --> 00:10:47.634
<v Ines>Die stimmen Sie einmal im Quartal mit der Kanzlei ab.

157
00:10:47.884 --> 00:10:50.320
<v Tom>Und was erwartet die Bank bei einem neuen Kredit?

158
00:10:50.570 --> 00:10:56.415
<v Ines>Die Industrie- und Handelskammer Hannover nennt für eine Bankentscheidung sechsunddreißig Monate.

159
00:10:56.415 --> 00:11:00.272
<v Ines>Der Wochenplan ist dann der genaue Anfang dieser langen Planung.

160
00:11:00.872 --> 00:11:03.636
<v Tom>Fassen Sie mir zusammen, was ich ab nächstem Montag mache.

161
00:11:03.886 --> 00:11:10.174
<v Ines>Erstens: Bauen Sie den Plan in dreizehn Wochenspalten, brutto und nach Zahlungstag.

162
00:11:10.174 --> 00:11:13.962
<v Ines>Oben der echte Kontostand, unten der Kreditrahmen.

163
00:11:14.212 --> 00:11:17.173
<v Ines>Tragen Sie die festen Termine sofort ein.

164
00:11:17.173 --> 00:11:28.292
<v Ines>Umsatzsteuer und Lohnsteuer am zehnten, Sozialversicherung am drittletzten Bankarbeitstag, Gewerbesteuer am fünfzehnten Februar, Mai, August und November.

165
00:11:28.542 --> 00:11:31.488
<v Ines>Zweitens: Jeden Montag dreißig Minuten.

166
00:11:31.488 --> 00:11:38.589
<v Ines>Kontostand eintragen, Plan gegen Ist vergleichen, Abweichungen begründen, neue Woche anhängen.

167
00:11:38.839 --> 00:11:43.237
<v Ines>Drittens: Planen Sie eine Untergrenze und einen schlechten Fall.

168
00:11:43.237 --> 00:11:49.215
<v Ines>Sehen Sie eine Lücke, sprechen Sie mit der Bank, solange noch Wochen dazwischen liegen.

169
00:11:49.465 --> 00:11:51.657
<v Tom>Und woran merke ich, dass der Plan taugt?

170
00:11:51.907 --> 00:11:57.255
<v Ines>Wenn die Abweichungen Woche für Woche kleiner werden und Sie keine Zahlung mehr überrascht.

171
00:11:57.255 --> 00:11:59.312
<v Ines>Das dauert meist nur wenige Wochen.

172
00:11:59.562 --> 00:12:10.464
<v Ines>Dieser Podcast kommt von Yupana, einer Software für den Mittelstand, die Kontobewegungen, Verträge, Software-Lizenzen und die BWA in einer Ansicht zusammenführt.
